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Ertragswertverfahren: So wird der Wert vermieteter Immobilien berechnet

Das Ertragswertverfahren Schritt für Schritt: Formel, Liegenschaftszins, Restnutzungsdauer – mit durchgerechnetem Beispiel für ein Mehrfamilienhaus.

Veröffentlicht am 29. August 2026

Robin Tobermann, Geschäftsführer bei Immo HubIhr AnsprechpartnerRobin Tobermann · Geschäftsführer
Ertragswertverfahren: So wird der Wert vermieteter Immobilien berechnet – Immo Hub Leipzig

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Ertragswertverfahren bewertet Immobilien nach dem Ertrag, den sie erwirtschaften – es ist das normierte Verfahren für Mehrfamilienhäuser und vermietete Objekte (§§ 27 ff. ImmoWertV).
  • Kern der Rechnung: Reinertrag (Miete minus Bewirtschaftungskosten), Bodenwert, Liegenschaftszinssatz und Restnutzungsdauer.
  • Der Liegenschaftszinssatz kommt vom örtlichen Gutachterausschuss – schon ein halber Prozentpunkt verändert den Wert erheblich.
  • Für Verkäufer heißt das: Eine marktgerechte, sauber dokumentierte Miete ist beim Verkauf bares Geld.

Wer ein Mehrfamilienhaus oder eine vermietete Wohnung bewertet, stellt schnell fest: Der Quadratmeterpreis allein sagt wenig. Kapitalanleger kaufen keinen Wohnraum, sondern künftige Mieterträge – und genau das bildet das Ertragswertverfahren ab, eines der drei normierten Wertermittlungsverfahren der Immobilienwertermittlungsverordnung (§§ 27 ff. ImmoWertV).

Dieser Ratgeber erklärt die Rechnung Schritt für Schritt – mit einem vollständig durchgerechneten Beispiel. Aus der Vermittlung von Mehrfamilienhäusern und Anlagewohnungen in Leipzig wissen wir: Wer die Logik des Verfahrens versteht, versteht auch, wie Käufer auf sein Objekt schauen – und verhandelt besser.

Wann kommt das Ertragswertverfahren zum Einsatz?

Immer dann, wenn der Ertrag im Vordergrund steht:

  • Mehrfamilienhäuser – der Klassiker; hier ist das Ertragswertverfahren Standard bei Gutachten, Banken und Kaufpreisverhandlungen. Für den Verkauf: Mehrfamilienhaus verkaufen.
  • Vermietete Eigentumswohnungen – Anleger rechnen mit Faktor und Rendite; die Grundlagen dazu im Ratgeber Mietrendite berechnen.
  • Gewerbeimmobilien – Büro, Handel, gemischt genutzte Häuser.

Selbst genutzte Einfamilienhäuser werden dagegen meist im Sach- oder Vergleichswertverfahren bewertet; den Überblick über alle drei Verfahren gibt der Ratgeber Verkehrswert ermitteln.

Die Formel: So funktioniert die Rechnung

Das allgemeine Ertragswertverfahren rechnet in vier Schritten:

  1. Reinertrag ermitteln: Jahresrohertrag (die marktüblich erzielbare Jahreskaltmiete) minus Bewirtschaftungskosten – also Verwaltung, Instandhaltung, Mietausfallwagnis und nicht umlegbare Betriebskosten.
  2. Bodenwertverzinsung abziehen: Der Boden „verzinst" sich mit dem Liegenschaftszinssatz (Bodenwert × Zinssatz). Was übrig bleibt, ist der Ertragsanteil des Gebäudes.
  3. Gebäudeertrag kapitalisieren: Der Gebäude-Reinertrag wird mit einem Barwertfaktor multipliziert, der sich aus Restnutzungsdauer und Liegenschaftszinssatz ergibt – je länger das Gebäude wirtschaftlich nutzbar ist, desto höher der Faktor. Zur Restnutzungsdauer: Restnutzungsdauer & AfA.
  4. Bodenwert addieren: Gebäudeertragswert plus Bodenwert ergeben den Ertragswert. Den Bodenwert liefern die amtlichen Bodenrichtwerte.

Der wichtigste Stellhebel ist der Liegenschaftszinssatz: der Zinssatz, mit dem der Markt Immobilienerträge in der jeweiligen Lage und Objektart verzinst. Er wird vom örtlichen Gutachterausschuss aus echten Kaufpreisen abgeleitet – je niedriger der Zinssatz (begehrte Lage, geringes Risiko), desto höher der Wert.

Ertragswertverfahren: Beispiel Mehrfamilienhaus

Alle Werte dieser Rechnung sind Annahmen – sie zeigen den Rechenweg, nicht den Wert eines konkreten Objekts. Angenommen wird ein Leipziger Mehrfamilienhaus mit 60.000 € Jahresnettokaltmiete, 200.000 € Bodenwert, 3,5 % Liegenschaftszinssatz und 40 Jahren Restnutzungsdauer:

SchrittRechnungBetrag
JahresrohertragJahresnettokaltmiete (marktüblich)60.000 €
− Bewirtschaftungskostenangenommen 20 %− 12.000 €
= Reinertrag48.000 €
− Bodenwertverzinsung200.000 € × 3,5 %− 7.000 €
= Gebäude-Reinertrag41.000 €
× Barwertfaktor40 Jahre, 3,5 % ≈ 21,36≈ 875.600 €
+ Bodenwert+ 200.000 €
= vorläufiger Ertragswert≈ 1.075.600 €

Im Gutachten folgen darauf noch besondere objektspezifische Anpassungen – etwa ein Abzug für Instandhaltungsstau oder ein Zuschlag für ausgebaute Reserven – und die Plausibilisierung am Markt. Das Beispiel zeigt aber den entscheidenden Mechanismus: Schon eine um 200 € höhere Monatsmiete oder ein um 0,5 Punkte niedrigerer Liegenschaftszins verändern den Wert um Zehntausende Euro.

Was das für Verkäufer bedeutet

Weil Käufer und Banken vermietete Objekte über den Ertrag bewerten, gilt aus über 560 begleiteten Verkäufen eine einfache Wahrheit: Die Miete ist der Wert. Konkret heißt das vor dem Verkauf:

  • Mieten auf Marktniveau dokumentieren: Eine deutlich zu niedrige Bestandsmiete drückt den Ertragswert – sie kann aber auch als „Potenzial" verkauft werden, wenn sie belegt und eingeordnet ist. Vergleichsmaßstab: Mietspiegel Leipzig.
  • Unterlagen vollständig halten: Mietverträge, Nebenkostenabrechnungen, Instandhaltungshistorie – jede Lücke rechnet der Käufer als Risiko und damit als Abschlag.
  • Den richtigen Käuferkreis ansprechen: Für Leipziger Anlageobjekte führen wir eine geprüfte Liste von Kapitalanlegern – vom privaten Anleger bis zum Family Office.

Was Ihr vermietetes Objekt nach dieser Logik heute wert ist, ermitteln wir kostenlos – auf Wunsch mit unserem DEKRA-zertifizierten Bewerter, der Mehrfamilienhäuser nach genau diesen normierten Verfahren bewertet.

Hinweis: Dieser Ratgeber erklärt das normierte Verfahren allgemein und ersetzt kein Wertgutachten und keine steuerliche Beratung im Einzelfall.

Häufige Fragen zum Ertragswertverfahren

Was ist das Ertragswertverfahren einfach erklärt?
Ein normiertes Bewertungsverfahren (§§ 27 ff. ImmoWertV), das den Wert einer Immobilie aus ihren Erträgen ableitet: Jahresmiete minus Bewirtschaftungskosten, kapitalisiert über Restnutzungsdauer und Liegenschaftszinssatz, plus Bodenwert. Es ist das Standardverfahren für Mehrfamilienhäuser und vermietete Objekte.
Für welche Immobilien wird das Ertragswertverfahren angewendet?
Für alle Objekte, bei denen der Ertrag im Vordergrund steht: Mehrfamilienhäuser, vermietete Eigentumswohnungen und Gewerbeimmobilien. Selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser werden dagegen meist im Sachwert- oder Vergleichswertverfahren bewertet.
Was ist der Liegenschaftszinssatz?
Der Zinssatz, mit dem der Markt Immobilienerträge in einer bestimmten Lage und Objektart verzinst – abgeleitet vom örtlichen Gutachterausschuss aus echten Kaufpreisen. Je niedriger der Zinssatz, desto wertvoller ist derselbe Ertrag: Ein halber Prozentpunkt kann den Wert eines Mehrfamilienhauses um einen fünf- bis sechsstelligen Betrag verändern.
Welche Bewirtschaftungskosten werden abgezogen?
Die Kosten, die der Eigentümer trägt und nicht umlegen kann: Verwaltung, laufende Instandhaltung, Mietausfallwagnis und nicht umlegbare Betriebskosten. Je nach Objekt liegen sie häufig in der Größenordnung von 15 bis 25 Prozent des Rohertrags – im Gutachten werden sie positionsweise angesetzt, nicht pauschal.
Wie hängen Ertragswert und Kaufpreisfaktor zusammen?
Der Kaufpreisfaktor (Kaufpreis geteilt durch Jahreskaltmiete) ist die Kurzform derselben Logik: Er verdichtet Ertrag und Preis in eine Zahl, ohne Bodenwert, Restnutzungsdauer und Bewirtschaftungskosten einzeln zu betrachten. Für den schnellen Marktvergleich taugt der Faktor, für die belastbare Bewertung das Ertragswertverfahren.
Wer darf ein Ertragswertgutachten erstellen?
Die Wertermittlung nach ImmoWertV können qualifizierte Sachverständige und zertifizierte Bewerter durchführen; gerichtsfeste Verkehrswertgutachten erstellen öffentlich bestellte bzw. entsprechend zertifizierte Gutachter. Bei Immo Hub bewertet ein DEKRA-zertifizierter Immobilienbewerter Wohnobjekte bis zum Mehrfamilienhaus – die Ersteinwertung ist kostenlos.

Was ist Ihr vermietetes Objekt nach Ertragswert-Logik wert?

Wir bewerten Mehrfamilienhäuser und Anlagewohnungen nach den normierten Verfahren – kostenlos, mit echten Leipziger Marktdaten und DEKRA-zertifiziertem Bewerter im Team.

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